burgholzhausen/ Dezember 20, 2019

Ein Vormittag in der Burgholzhäuser Bäckerei-Filiale

„Als Kind wurde ich immer in die Backstube geschickt zum Brot holen. Mit 9 Jahren wollte ich Bäcker werden und mit 10 Jahren stand für mich fest, dass ich einen eigenen Laden haben will.“ Der Westerwälder mit dem unverkennbar rollenden Rrrr kommt aus der Gegend zwischen Rennerod und Herborn und hat seinen Kindheitstraum 1986 wahrgemacht. Hartmut Moos ist Inhaber von inzwischen über 50 Filialen, hat über 430 Mitarbeiter und ist stolz, dass er seine handwerklich gefertigten Backwaren in seiner Backstube in Aßlar noch genauso herstellt wie vor 30 Jahren. „Die Rezepte sind die gleichen, nur die Mengen haben sich naturgemäß vervielfacht,“ berichtet er stolz. Seit etwa 12 Jahren betreibt er die Filiale in Burgholzhausen. „Handwerk, Qualität und Frische pur – das ist unser Anspruch.“

Bäckerei Moos Burgholzhausen

Rund 120 Produkte hat Moos im Angebot, inklusive saisonale Backwaren. Das Mehl und viele weitere Zutaten kommen möglichst aus regionalem Anbau. Viele Arbeitsschritte werden noch in Handarbeit erledigt. Natürlich kommen auch Maschinen zum Einsatz, dort wo man gleiche Ergebnisse erzielen kann oder um Mitarbeiter von schwerer körperlicher Arbeit zu entlasten. Ganz wichtig ist dem Bäckermeister, dass die Teige ausreichend Ruhezeiten haben. Das spiegelt sich im Geschmack und der Verträglichkeit der Produkte wider. Die Backwaren werden so auch haltbarer und schmecken auch über den Backtag hinaus. Seine Bäckerei ist als Innungsbäckerei im Deutschen Brotregister eingetragen.

Personalsorgen und leichter Kundenrückgang

An einem kleinen Standort wie Burgholzhausen ist es nicht immer leicht sich zu behaupten. Früher wurde in der Haingasse 45 noch vor Ort gebacken, längst wird hier nur noch verkauft. Hartmut Moos sagt klar, man muss als Unternehmer „sehr flexibel sein“. Durch die weiteren Filialen in Friedrichsdorf, Seulberg oder Nieder-Rosbach führt die tägliche Fahrtroute von der Backstube in Aßlar aus ohnehin in diese Gegend und so kann er derzeit eine kleinere Filiale wie Burgholzhausen mittragen. Allerdings räumt er auch ein, dass er immer wieder schauen muss, dass „es passt“. Er meint damit nicht nur die Kundenfrequenz. Seit einem Jahr hat der Umsatz etwas nachgelassen. Sein größtes Problem sei es, für die kleineren Bäckereifilialen Personal zu bekommen. Einige Werbemethoden wurden bereits ausprobiert, vom Andrucken von Stellenangeboten auf 100.000 Brötchentüten bis hin zur Suche über Internetportale. Auch auf der Ladentheke liegen kleine Handzettel „Mitarbeiter gesucht“. Der Erfolg ist mäßig. Seit zwei Jahren steht Alessia Vassallo als Vollzeitkraft vormittags bis 13.00 Uhr hinter der Ladentheke, nur am Wochenende unterstützt Catalin zur Aushilfe. Eine weitere Aushilfe zu finden, wäre wichtig.

Bäckerei Moos Burgholzhausen

Alessia Vassallo arbeitet gerne in der Bäckerei-Filiale. Kunden schätzen Ihre freundliche Art.

Als im Sommer der Netto-Markt umgebaut wurde, hat die Bäckerei „richtig gebrummt“, verrät Alessia Vassallo. Inzwischen ist die Kundenfrequenz und der Umsatz wieder rückläufig. Hartmut Moos schätzt, dass seit der Schließung der Bankfiliale Ende Oktober der Umsatz um rund 20% zurückgegangen sei. Da ist wichtige Laufkundschaft weggefallen. Er weiß natürlich auch, dass Kunden seitdem der Netto eine erweiterte Backstation hat, dort bei dem täglichen Einkauf ihr Brot mit einkaufen und bedauert, dass der Kunde oftmals den Unterschied zwischen einem aufwändig handwerklich hergestellten Brot oder einem kurz aufgebackenem nicht mehr kennt. Er freut sich, dass er kürzlich vom Ortsvorsteher von Herborn noch ein dickes Lob für seine Backwaren bekam „Bei dir schmeckt das Brot noch so wie früher.“

„Wenn Sie einen Bäcker haben wollen, dann…“

Bäckerei Moos BurgholzhausenWir treffen einen älteren Herrn in der Bäckerei an, der in der Talmühle wohnt und es so auf den Punkt bringt: „Die Wurzel des Übels sind die Supermärkte. Wenn Sie einen Bäcker haben wollen, dann müssen Sie auch beim Bäcker einkaufen. Für den Inhaber muss es sich ja auch rechnen, er muss sein Personal bezahlen können.“

Hartmut Moos sagt, er macht weiter, solange er Personal bekommt und der Mietvertrag weiter stimmt. „Man muss auf Sicht schauen, wie es sich (in Burgholzhausen) weiter entwickelt.“ Der Geschäftsmann spricht jedoch auch davon, dass “man mit Neuinvestitionen vorsichtig sein muss”. Die Ladenkasse ist noch nicht auf den neuen Standard erneuert, aber Bons bekommt jeder Käufer auch jetzt schon, wenn es erwünscht ist. Was er nicht ausdrücklich sagt, aber der Kunde automatisch vor Augen hat „Ohne Moos nichts los“.

“Ein Bäcker muss zu Fuß erreichbar sein”

Bäckerei Moos Burgholzhausen

Kundin Regina Leinhoß käuft täglich für ihre Familie ein und freut sich, dass der Laden zu Fuß erreichbar ist.

Kundin Regina Leinhoß wohnt gleich um die Ecke. Sie holt gegen Mittag eben ein paar Stückchen für spontanen Besuch. Der Bäcker vor Ort ist für sie unverzichtbar. Lachend sagt sie „Das ist meine Speisekammer. Ich genieße es, dass ich hier täglich frische Brötchen und Brot für meine Familie holen kann und das zu Fuß.“ Sie versorgt ihre Kinder täglich mit selbst gemachten Schulbroten.

Auch Andy Fich schaut regelmäßig mehrmals die Woche in die Bäckerei. Er arbeitet bei der Stadt Friedrichsdorf und holt sich Brötchen und Kaffee als Mittagssnack. Er findet, dass „zu jeder Ortschaft einfach ein Bäcker gehört“ und freut sich auch auf ein persönliches Gespräch beim Einkauf. Der persönliche Kontakt ist für einige Kunden wichtig. An der Pinnwand hängen Flyer mit Veranstaltungstipps im Ort. Ein Kunde kommt und fragt nach dem neuen Müllkalender. Die Verkäuferin erklärt, dass es den erst ab der 52. Kalenderwoche gibt. Eine Kundin trifft beim täglichen Einkauf eine Nachbarin und tauscht sich kurz über persönliche Dinge aus. Die Bäckerei ist halt auch Treffpunkt im Stadtteil.

Bäckerei Moos Burgholzhausen

Andy Fich mag besonders gerne Kartoffelbrot. Er kommt mehrmals die Woche auf einen Mittagssnack und nimmt Kaffee mit.

Gute Qualität und freundlicher Service zählen

„Die Alessia ist eine ganz Nette“. Andy Fich schiebt nach „… und die Karin (Schröder) früher war auch sehr nett“. Er schwärmt regelrecht vom Service in der Bäckerei, und ebenso von den Backwaren. „Die Qualität ist sehr gut“, und er kennt einige Bäckereien in der Umgebung. „Das Kartoffelbrot besonders!“ Der Figur wegen verzichtet er auf Süßes, dabei fällt sein Blick auf die Weihnachtsplätzchen, die verführerisch verpackt vor ihm auf dem Tresen stehen. Der Christstollen war sehr begehrt und ist schon längst alle, lacht Alessia Vassallo. Auf die Frage, was ihre Kunden denn besonders gerne mögen, kommt postwendend die Antwort: „Puddingsplunder und Bamberger Nusshörnchen sind die Highlights der Burgholzhäuser.“ Sie selbst mag am liebsten das kräftige kernige Dinkelbrot.

Nicht alle Kunden kaufen regelmäßig ein. Bernd Ziegler wohnt ebenfalls in der Talmühle und kam beim Joggen heute eher zufällig vorbei und wollte seinem Sohn eine kleine Freude machen. „Wir sind froh, dass der Bäcker da ist.“ Er kauft verschiedene Brötchensorten und nimmt gleich noch frischen Käsekuchen mit.“ Er erzählt, dass er und seine Frau beide berufstätig sind und daher nicht häufig zum Bäcker kommen. Sie bevorzugen die Vollkornprodukte und wünscht sich hier „vielleicht noch mehr Auswahl.“ Es ist gleich Mittag, die Auslagen sind schon gut ausgedünnt. Mitten im Gespräch fällt ihm ein „Achso, bitte noch ein Dinkelvollkornbrot – perfekt.“

Bäckerei Moos Burgholzhausen

Das Brot scheint bei den Kunden gut anzukommen.

Apropos Kartoffelbrot, Herr Moos.

Ja, echte Westerwälder sind da nicht ganz so d’accord mit dem Kunden. Klar, das Kartoffelbrot schmeckt definitiv gut, aber eben nicht so wie daheim. Als ich Herrn Moos mit dieser Aussage konfrontiere, herrscht einen Moment Stille am Telefon und dann kam ein aufrichtiges „Stimmt!“ zurück. Ja, früher wäre das noch gegangen, da war die Oma noch da, die die Kartoffeln geschält und gerieben hat und die Familienmitglieder, die bei den aufwändigen Vorbereitungen dabei waren. Heute müssen die Mitarbeiter bezahlt werden und die Herstellung muss sich rechnen. So kommt heute in den meisten Bäckereien Kartoffelmehl zum Einsatz anstelle der frisch geriebenen Kartoffeln. Macht nichts, so backen echte Westerwälder hin und wieder selbst und schmieren sich gute Butter mit etwas Salz auf das frische duftende, feuchte Kartoffelbrot. Und trotzdem … wird der Moos uns als Kunde nicht los. Und er … versorgt hoffentlich die Burgholzhäuser noch lange mit seinen Backwaren. (SN)


Aktueller Nachtrag: 

Falls Sie Alessia Vassallo derzeit im Laden vermissen… Kurz nach Fertigstellung des Beitrags kam die Nachricht, dass die Stammverkäuferin der Bäckerei Moos in Burgholzhausen leider aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich bis Ende Januar ausfällt. So brandaktuell kann der Hinweis auf die Suche nach Personal sein! Also, wenn Sie jemand kennen, der Interesse hat in der Burgholzhäuser Filiale oder einer der anderen mitzuarbeiten, melden Sie sich in der Bäckerei Moos oder direkt in der Backstube in Aßlar bei Frau Moos, Telefon 06441/984311.

Eine rasche Genesung, liebe Alessia!

 

Bäckerei Moos Burgholzhausen


Bäckerei Moos, Haingasse 45 in Friedrichsdorf-Burgholzhausen

Telefon 06007 2992

Öffnungszeiten
montags bis freitags von 6.30 – 13.00 Uhr
samstags von 6.30 – 12.00 Uhr
sBäckerei Moos Burgholzhausenonntags von 8.00 – 11.00 Uhr