Burgholzhausen-info/ August 23, 2026

Ein gelebtes offenes Kinderhaus ist keine Zukunftsvision mehr in Burgholzhausen. Das Pilotprojekt mit einem pädagogischen Konzept nach skandinavischem Vorbild startet für ein Jahr in der Kinderburg Holzhausen.

Das Kinderhaus „Kinderburg Holzhausen“ stellt sich den Herausforderungen, die mit der Einführung der gesetzlichen Ganztagsbetreuung an Schulen nach den Sommerferien einhergehen und präsentiert ein neues pädagogisches Konzept, das Kindergarten- und Hortkinder gemeinsam fördert und Selbstständigkeit, individuelle Talente und altersübergreifendes Lernen stärkt. Der neu gegründete Förderverein nimmt seine Arbeit auf und sucht Menschen, die einmalig oder regelmäßig das Kinderhaus unterstützen, aktiv im Verein oder als finanzielle Unterstützer.

Die Idee wird von vielen Eltern längst herbeigesehnt: Kinderbetreuung nach dem Schulunterricht in der Grundschule. Seit 1. August wurde es ernst in Hessen, Erstklässler haben das Recht auf Ganztagsbetreuung. Bis 2029 soll das Angebot sukzessive auf die ersten vier Schulklassen ausgeweitet werden. Die Eltern können wählen zwischen Betreuungs-Zeitfenstern bis 15.00 oder 17.00 Uhr. Die Kosten variieren entsprechend, der Hochtaunuskreis ist zukünftig für die Betreuung nach dem Unterricht zuständig. Bisher lief der Hortbetrieb unter der Gesamtleitung der Stadt Friedrichsdorf. Die Grundschule Burgholzhausen bietet die neue Ganztagsbetreuung gleich für alle vier Klassenstufen an. Das bedeutet Änderungen für alle städtischen Horte, so auch für das „Kinderhaus Burgholzhausen“ am Erlenbach in direkter Nachbarschaft zur Schule, das die neue Zukunftsausrichtung konkret mit einem neuen pädagogischen Konzept angehen will. Das Pilotprojekt ist gerade gestartet, mit flexiblen Abholzeiten für die Hortkinder.

Die sogenannte „Inselgruppe“ der Kinderburg Holzhausen ist konkret betroffen. Sie muss umziehen! Im alten Schuljahr fand die Betreuung von bis zu 25 Kindern im alten JUZ-Gebäude statt, direkt hinter der Grundschule am Burgholzhäuser Festplatz. Tischtennisplatte, Basketballkorb, eigener Aufenthalts- und Küchenbereich sind dort vorhanden. Kurz vor den Sommerferien wurden Kisten gepackt und das Eigentum des Kinderhortes einige Meter weiter auf die andere Seite der Grundschule in das Gebäude der Kinderburg Holzhausen umgezogen. Die „alten“ JUZ-Räumlichkeiten werden seit Schuljahresbeginn für die neue gesetzliche Ganztagsbetreuung durch die Grundschule genutzt und stehen dem Hort nicht mehr zur Verfügung.

Engagierte Frauenpower der Kinderburg Holzhausen sucht Unterstützung (von links): Aus dem neuen Förderverein Carolin Kornfeld und Susi Laubinger neben Elisabeth Kaupp und Tanja Pietsch von der Kita-Leitung. Gemeinsam setzen sie sich ein für das neue Pilotprojekt und für die Förderung der Kinder.

Die Leitung des Kinderhortes am Erlenbach und der Elternbeirat wissen, dass viele Eltern zukünftig das kostengünstigere Angebot der Grundschule für die Nachmittagsbetreuung nutzen werden, liegt es doch in diesem Jahr bei maximalen Betreuungszeiten bis 17 Uhr rund 80 Euro niedriger, ab 2027 sogar 90 Euro unter der Hortbetreuung. Doch die Kosten sind nach Ansicht von Susi Laubinger nicht alles. Sie ist Elternsprecherin und Vorsitzende des neu gegründeten Fördervereins des Kinderhortes. Ihre beiden Söhne besuchen die Kindertagesstätte, der ältere ist inzwischen Schulkind. Sie ist überzeugt von dem neuen Konzept, setzt sich ein für die Akzeptanz, sieht allerdings auch die Notwendigkeit von konkreter Unterstützung der Kita durch die Eltern und Förderer. Sie erzählt von der aktuellen Entwicklung in den vergangenen Monaten und der neuen Konzeption im Kinderhaus.

Herzliches Willkommen für neue Kinder: Gleich fünf Kinder beginnen nach den Sommerferien gemeinsam ihre Kinderburg-Zeit.

Für die Betreuung von 125 Kindern ist das nach oben offene Gebäude mit drei Etagen ausgelegt. Rund 50 Kinder wurden bisher im Erdgeschoss im Kindergarten, bis zu 75 Kinder im Hortbereich in den oberen Etagen und im alten JUZ-Gebäude von insgesamt 18 Erzieherinnen und Erzieher betreut. Die Personalsorgen der vergangenen Jahre sind aktuell zum Glück Vergangenheit, doch werden die veränderten gesetzlichen Strukturen mit personellen Veränderungen einhergehen und drei Erzieherinnen zu anderen Kindertagesstätten der Stadt wechseln. Wechseln müssen, weil die Anzahl der „städtischen“ Hortkinder durch den neuen gesetzlichen Anspruch zurückgehen wird. Zusätzlich werden Gruppengrößen bei den Kindergartenkindern stadtweit von 25 auf 20 Kinder reduziert. Im Kinderhort Burgholzhausen werden durch die neue Regelung zukünftig nur noch 40 statt 50 Kindergartenkinder betreut. Bei den Hortkindern ist die Prognose signifikanter: Waren es im letzten Jahr noch 58 Hortkinder, sind im neuen Jahr bisher nur noch 26 angemeldet. Wie gesagt, das Hort-Betreuungsangebot war ursprünglich für 75 Kinder ausgelegt. Das erfordert Veränderungen, um das Kinderhaus zukünftig sinnvoll auszulasten und bietet gleichzeitig eine Chance, die Kinder individuell intensiver zu fördern.

VORHER: Wo heute ein Aktenschrank im neuen Besprechungszimmer steht, waren bis zum Sommer Sitzplätze im Hausaufgabenraum. Für zukünftig weniger Hortkinder werden weniger Hausaufgabenplätze benötigt, die Räumlichkeiten lassen andere Nutzungen zu.

JETZT: Vereinsvorsitzende Susi Laubinger zeigt den neuen Besprechungsraum, den sie zusammen mit drei weiteren Kita-Eltern vor den Sommerferien kurzfristig renoviert hat.

Kita-Leiterin Tanja Pietsch hat zusammen mit ihrer Stellvertreterin Elisabeth Kaupp ein neues Betreuungskonzept erarbeitet, das als Pilotprojekt für ein Jahr in der Praxis erprobt werden soll. Tanja Pietsch, seit sechs Jahren in der Kita, davon 5 Jahre die Leitung inne hat, berichtet, dass sie schon früh in Dänemark in einer Kita hospitieren durfte, wo sie die skandinavischen pädagogischen Konzepte kennenlernen durfte. Ein unterscheidendes Element zur reinen altersspezifischen Förderung in Deutschland ist, die Kinder altersgruppenübergreifend zu betreuen und dabei gleich mehrere Fähigkeiten bei den Kindern zu fördern. Die Kleineren lernen von den Älteren und die Älteren unterstützen die Jüngeren. Dadurch wird Selbstständigkeit und Eigenverantwortung gefördert, altersübergreifendes Lernen ermöglicht und soziale Kompetenzen erweitert. Aus festen Jahrgangsgruppen mit Mäusen (3 Jahre), Fröschen (4), Bären (5) und Füchsen (6) wie bisher, wird die individuelle Förderung in freien Räumen. Das neue Pilotkonzept geht mit signifikanten räumlichen Umgestaltungen einher, bei der im Kinderhort vielfältige Bildungs- und Erfahrungsräume aus den alten Gruppenräumen für die Kinder geschaffen werden, die gleichzeitig die verkleinerte Kinderstruktur im Burgholzhäuser Hort ausnutzt. Während die Kindergartenkinder in der Vergangenheit nur im Erdgeschoss neben Mensa und Turnhalle untergebracht waren, zog sich der Hortbereich im offen gebauten Haus bis unter das Dach.

Kita-Leiterin Tanja Pietsch und ihre Stellvertreterin Elisabeth Kaupp haben das neue pädagogische Pilotkonzept für die Kinderburg Holzhausen ausgearbeitet und mit viel Herzblut mit ihrem Erzieherteam an der Umsetzung gearbeitet.

Im Frühjahr stellte die Kita-Leiterin die neue Konzeptidee der Leitung des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Friedrichsdorf Christine Keil und dem Elternbeirat vor. Zweimal jährlich werden Konzeptstrategien überprüft. Erst im Juni kam das OK zur Umsetzung des Pilotprojektes im Kinderhaus Burgholzhausen, die verspätete Genehmigung des Friedrichsdorfer Haushaltes hatte Einfluss auf die Freigabe, zumal auch bauliche Nutzungsveränderungen einhergingen. Ruckzuck musste einiges kurz vor den Sommerferien umgesetzt werden, der Umzug des Inventars aus der JUZ und zusätzliche Kindersicherungen im Treppenhaus inklusive. Während der Kindergartenbereich in der Vergangenheit nur im Erdgeschoss neben der Mensa untergebracht war, zog sich der Hortbereich im offen gebauten Haus bis unter das Dach mit Rückzugsbereichen für das Erledigen der Hausaufgaben für die Schulkinder.

Eingangsbereich der Kinderburg Holzhausen

Für das Pilotprojekt wird das ganze Haus umgekrempelt, neben der Turnhalle gibt es einen Bau- und Konstruktionsraum, wo aus entsprechendem Spielzeug Fahrbahnen, Gebäude, Tiere und mehr nach den Ideen der Kinder entstehen können. Ein Rollenspielbereich ermöglicht den Kindern, ihre Fantasie und Sprache auszuleben und zu trainieren. Ein Werkstattatelier mit unzähligen Bastelmaterialien bietet Raum für die kreative handwerkliche Entfaltung. Die Turnhalle bleibt Bewegungsbereich, genauso wie der Außenbereich. Im ersten Stock gibt es eine Spieleecke mit einem runden Tisch und einem Regal voller Gesellschaftsspiele, aber auch einen Ruhe- und Rückzugsbereich, wenn chillen angesagt ist oder sich ein Kind ungestört beschäftigen möchte. Für die Schulkinder sind natürlich weiterhin Plätze für die ungestörte Hausaufgabenarbeit vorhanden. Weiter ausgebaut wird ein Forscherbereich, wo die Kids experimentieren und naturwissenschaftlichen Fragen nachgehen können.

Die Kinder haben weiterhin einen festen Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin, doch sie können sich jetzt überall hin selbständig bewegen, in jedem Raum ist immer ein Erzieher oder Erzieherin verlässlich vor Ort, um die einzelnen Themen zu betreuen und zu fördern. Dort, wo früher ein Kindergartenkind nicht einfach zu seinem Geschwisterkind gehen durfte, das im Hortbereich war, ist jetzt gemeinsames Spielen oder auch kurze Gespräche möglich. Susi Laubinger findet das für den Kontakt ihrer beiden Söhne tagsüber ideal. Die offene Bauweise des Kinderhauses im Treppenhaus wurde zum Kinderschutz durch spezielle Metallnetze zusätzlich abgesichert. Wir werden sie noch verschönern und schmücken, plant Elisabeth „Lizzy“ Kaupp. Das Erzieherteam hat einige Ideen in petto.

Der neue Werkraum ist gerade am Werden. Bastel- und Werkmaterialien aus mehreren Gruppenräumen und der Außenstelle (ehem. JUZ) müssen sortiert und eingeräumt werden. Mehrere Erzieherinnen sind hier seit Tagen zu Gange. Das erste Regal ist fertig.

Blick auf einen Teil des Außengeländes der Kinderburg Holzhausen, der Rasen ist durch die hohen sommerlichen Temperaturen gebeutelt.

Lese- und Puzzleraum für ruhige Beschäftigung. Ein Kuschelsofa ist vorhanden.

Ein Blick in einen Teil des Bauraumes, das Gartengelände grenzt an.

Wie sind sie auf die Idee mit der offenen Struktur gekommen? Tanja Pietsch erzählt, dass der Auslöser eine Renovierung des Mensabereiches vor zwei Jahren war. Kindergarten- und Hortkinder hatten bisher einen eigenen Bereich, während der Renovierung mussten die Kinder zusammenrücken und gemeinschaftlich essen. Das hat so gut funktioniert, schwärmt sie. Im neuen Konzept gibt es ein längeres Zeitfenster für die Mahlzeit, die ebenfalls individuellen Neigungen von Kindern entgegenkommt. Der eine kommt aus der Schule und muss sich erst im Außenbereich austoben. Ein anderes Kind braucht erst eine Mahlzeit, bevor es bereit ist für andere Beschäftigungen.

Eine weitere Erleichterung in puncto Förderung der Selbstständigkeit der Kinder sei gelungen, als man in allen Räumen digitale Uhren aufgehängt habe. Die Kinder können sie früher und leichter lesen als eine Uhr mit Zeiger. Die Hortkinder, die z.B. an einem Nachmittag eine externe Turn-AG oder einen Musikschulunterricht besuchen sollten, wurden früher von den Erziehern zum Termin angeleitet. Inzwischen sagen die Eltern den Kindern, ob am Nachmittag etwas ansteht und die meisten Kinder haben gelernt, selbstständig den geplanten Termin im Auge zu behalten und sich rechtzeitig vorzubereiten. Eine Entspannung für die Kinder und auch das Erzieherteam, die sich mehr um die Einzelförderung kümmern können.

 

Mit der kurzfristigen Freigabe und erforderlichen Umsetzung des neuen Konzeptes kam der neu gegründete Förderverein direkt zum Zug. Kurz vor den Sommerferien renovierten Susi Laubinger und drei andere Eltern den ehemaligen Hausaufgabenraum, der jetzt als Büro- und Elterngesprächsraum genutzt werden soll. „Eine Ausschreibung hätte zu lange gedauert.“ Das Klebeband wurde gespendet, die Farbe aus dem Budget des Kinderhauses finanziert.

Susi Laubinger ist Vorsitzende des neuen Förderverein, Dr. Carolin Kornfeld ihre Stellvertreterin (von links)

Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Dr. Carolin Kornfeld ist sie an diesem Tag im Kinderhaus, sie schmieden Pläne, welche konkreten Ziele sie als neuer Förderverein „Kinderburg Holzhausen e.V.“ als erstes umsetzen wollen. Der Förderverein möchte vorrangig die Neugestaltung im Kinderhaus Burgholzhausen aktiv begleiten und durch Finanzierung von Materialien, Ausstattung und weiteren notwendigen Anschaffungen unterstützen. Ideen haben sie viele, es fängt mit gemeinsamen Projekten und Ausflügen mit den Kindern an, aber es geht auch um konkrete Anschaffungen für die Förderung der Kinder. Die Tischtennisplatte fehlt, die es vor der JUZ gab. Ein besserer UV-Schutz im Außenbereich wäre gut, und auch die Anschaffung des ein oder anderen Klimagerätes, das bei den hohen Außentemperaturen kurzfristig zum Einsatz kommen kann, stehen auf der Liste.

Wenn Sie als Mitglied im Förderverein dabei sein möchten, sind Sie mit 2 Euro im Monat dabei, jede Spende, egal in welcher Höhe, ist sehr willkommen, um Projekte für die Förderung der Kinder umzusetzen. Wer mit dem neuen Förderverein ins Gespräch kommen möchte, trifft sie beim Elternabend in der Kinderburg in der kommenden Woche oder am Waffelstand während des Eulenfestes am 6.9.26 hinter dem Alten Rathaus.

In einem Gespräch vor den Sommerferien zeigt sich Susi Laubinger überzeugt von dem „tollen Erzieherteam“ und der „schönen Gemeinschaft“, die sich positiv auf die Kinder überträgt. „Die Kinder gehen super gerne hin, sind mit Herz bei der Sache.“ Sie ist überzeugt, dass das neue offene und betreute Pilotkonzept ein Plus für ihre Kinder ist und freut sich darauf, dass die Kinderburg Holzhausen zu einem richtigen grenzenlosen Kinderhaus wird. (SN)

Susi Laubinger und Carolin Kornfeld suchen Personen und Sponsoren, die den Förderverein Kinderburg Holzhausen konkret unterstützen.

 

Kontaktdaten des Fördervereins

Neues Logo des Fördervereins der Kinderburg Holzhausen

Förderverein Kinderburg Holzhausen e.V.

Peter-Geibel-Str. 13

61381 Friedrichsdorf

E-Mail: foerderverein-kinderburg@gmail.com

Kontoverbindung: DE49 5125 0000 0002 2453 88

ℹ️ Download: Mitgliedsantrag Förderverein Kinderburg Holzhausen e.V.

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