Burgholzhausen-info/ Februar 15, 2026

Können auch Kinder politisch aktiv sein?

Über Parallelen zwischen Oberberg und Himmelsberg, beides waren früher „die“ Schlittenbahnen in einem Dorf.

🤔Können Kinder schon politisch mitmischen? Ab welchem Alter hat man politisches Verständnis, können Kinder gar etwas bewirken? Die Schlittenpartie in der letzten Woche in Burgholzhausen frischt eine Erinnerung auf.

Die Frage ging mir dieser Tage plötzlich durch den Kopf, jetzt wo überall Wahlplakate zur Kommunalwahl sichtbar sind, Flyer im Briefkasten liegen und die lokal vertretenen Parteien vermehrt viele Themen in ihren Wahlprogrammen ins Spiel bringen. Alle sind sich einig, dass das Kindeswohl sehr wichtig ist und sie wollen sich dafür einsetzen. Positive Signale! Als ich dann im Netz ein Foto mit den Burgholzhäuser Kids vom letzten Dienstag auf ihren Schlitten am Burgholzhäuser Oberberg gesehen habe, die endlich wieder dort rodeln konnten, fiel mir eine Geschichte aus meiner Kinderzeit ein. Und damit hatte ich die Antwort auf meine Frage! Ja, sie können und sie können sogar ganz schön was bewegen. Übrigens… Der Oberberg heißt bei den alten Holzhäusern liebevoll und kurz „der O-Berg“.

Rodel gut am Oberberg am 3. Februar 2026. Das besondere Ereignis hat Gabriel Kunz festgehalten.

Unser O-Berg hieß Himmelsberg und war früher ebenfalls ein Schlittenfahrerparadies…

Unser O-Berg hieß Himmelsberg und war ein großes Neubaugebiet mit jungen Familien irgendwo auf einer Anhöhe im Westerwald. Anders als der O-Berg mit seinen zwei Häusern oben links und rechts, verband unsere „Schlittenbahn“, seitlich drei Querstraßen. Links und rechts säumten Häuser die abfallende Straße. Der Bürgersteig endete jedoch auf halber Höhe. Anders als beim O-Berg gab es keinen Erlenbach, der das Ende der Strecke markierte. Bei uns war es ein Jägerzaun. Wenn Schnee fiel, und in den späten 70er Jahren gab es sehr viel davon, waren wir Kinder nicht zu halten. Nach der Schule schnell das Mittagessen runtergeschlungen, angezogen, Schlitten geholt und die Kufen mit Kerzenwachs poliert und hoch auf den Himmelsberg gestiefelt. Und dann ging’s runter, bäuchlings, auf dem Rücken, alleine auf dem Schlitten oder zu zweit. Oder wenn viele der rund 40 Kinder der Straße da waren, banden wir die Schlitten hintereinander. Im Übrigen waren wir Kinder sehr aufmerksam und rücksichtsvoll auf andere Verkehrsteilnehmer, sobald ein Auto sich näherte, schrie jemand „Auttttooooooooo“ und alle machten Platz. Wir schippten sogar den Bürgersteig entlang der Schlittenpiste frei und zogen die Einkäufe der Omas auf unserem Schlitten bis zu deren Zuhause.

Manchmal veranstalteten wir Rennen, immer zwei Schlitten gleichzeitig, wer war erster im Ziel? Wer die Kurve kriegte, hatte Auslauf genug, um zum Stehen zu kommen. Baaaaaahn freiiiiiiii! Das war das Einzige, was unsere Eltern den ganzen Nachmittag bis in die Dunkelheit von uns hörten. Nach Feierabend gesellten sich die Eltern selbst dazu, und sie übernahmen die „Abendrunden“ auf der Schlittenbahn auf dem Himmelsberg – während wir mit durchgefrorenen Händen und Füßen mit heißem Tee und Suppe von der Oma wieder aufgetaut und anschließend ins Bett geschickt wurden.

… bis der Jägerzaun mehrfach crashte

Die Erwachsenen waren genauso übermütig wie die Kinder, und so gelang es jedes Jahr mindestens einmal den Jägerzaun am Ende der Schlittenbahn zu crashen. Der Hausbesitzer fand es irgendwann nicht mehr lustig und erwirkte beim Gemeinderat, dass der Himmelsberg beim kleinsten Schneefall geräumt und abgestreut werden sollte. Die wilden Schlittenfahrten sollten unterbleiben. Die Anwohner der mittleren Querstraße, die die meiste Mühe hatten, in ihre Straße einzufahren, sahen es lockerer. Die hatten halt fast alle Kids und gönnten ihnen den Spaß.

Aus die Maus?

Beim nächsten Schnee kam ein beauftragter Bauer mit einem Trecker und befreite die Straße vom Schnee. Mit Salz war man damals auch noch sehr großzügig. Wir Kinder waren traurig, war es doch die schönste Bahn im ganzen Dorf. Es gab noch einen kleinen Abhang hinter einem Waldstück, aber bis dahin musste man eine halbe Stunde zu Fuß durch den Ort und durch ein Waldstück laufen. Weit ab vom Schuss, weit ab von elterlicher Aufsicht. Nicht jedes Kind durfte alleine dort hin. Außerdem war die Bahn viel zu flach und es machte halb so viel Spaß dort zu rodeln. Uns Kindern gefiel es nicht und wir überlegten gemeinsam, was wir unternehmen könnten, um unsere alte Schlittenbahn wieder zu bekommen.

Eine Horde Kinder voller Tatendrang und mit Plan

Irgendwann kam jemand auf die Idee, eine Unterschriftensammlung bei den Anwohnern zu machen. Handgeschriebene Zettel wurden vorbereitet, damit die Anwohner unterschreiben konnten, dass sie einverstanden sind, dass nicht geräumt wird, damit die Kinder Schlitten fahren können. Mehrere Kinder bekamen eine Straßenseite zugeteilt und baten an der Haustür um eine Unterschrift. Fast alle unterschrieben!

Mit dem Jägerzaun-Besitzer fühlten wir ja auch mit und für den brauchten wir auch eine gute Lösung, er sollte ja keinen Schaden haben. Wir hatten die Idee, zu der er sicher nicht nein sagen könne. Eine kleiner Trupp Kinder wurde bei dem größten Milchbauer im Ort vorstellig. Der Bauer Wien hieß bei uns Böhmer, und der war genauso nett. Bauer Böhmer war bereit, uns jeden Winter einige rechteckige Ballen Stroh zur Verfügung zu stellen, die auf dem Bürgersteig vor dem Jägerzaun platziert werden konnten. Damit hatten wir einen Puffer, das Unfallrisiko war gesenkt und der Jägerzaun geschont!

Das alles war tatsächlich auf den „Mist“ der Kinder gewachsen! Ich war damals noch in der Grundschule, also 9 oder 10 Jahre. Andere Kinder geringfügig älter, viele jünger.

Die Erwachsenen ließen uns gewähren und lächelten sicherlich über unseren Eifer. Wir wussten auch genau, wohin wir mit unseren Listen und der Heuballen-Idee mussten: zu unserem Bürgermeister. Irgendjemand wusste, wann er von der Arbeit zuhause war, und so verabredeten sich alle Kinder vom Himmelsberg, marschierten durchs Dorf zum Haus vom ehrenamtlich tätigen Bürgermeister. Wir klingelten, er öffnete tatsächlich selbst die Tür und trat erst mal einen Schritt zurück, als er die große Kinderschar sah. Dann lachte er.  Ich sehe sein Gesicht heute noch vor mir. Er nahm die Liste und unseren Vorschlag entgegen, lobte uns für unser Engagement und erklärte uns, dass er das nicht alleine entscheiden könne, er es aber mit als Antrag in die nächste Gemeinderatssitzung nehmen wolle.

Wir waren sehr aufgeregt, fanden uns wichtig und waren stolz, weil der Bürgermeister uns ernst genommen hat. Ob etwas dabei rauskommen wird?

Das große Warten und Bangen

Beim nächsten großen Schneefall kam wieder der beauftragte Bauer mit seinem Schneeschieber. Einige Kinder waren auf der Straße und waren enttäuscht, als der Schneeräumer in den Himmelsberg fuhr und direkt die abschüssige Straße ansteuerte. Anders als zuvor, stoppte er den Salzstreuer und setzte den Schneeschieber nicht mehr ganz auf der Straße auf, sondern verdichtete den Schnee und schuf uns eine tolle Schneepiste! Nur am Ende der Straße räumte er ein größeres Stück vor dem Jägerzaun, so dass die Schlittenfahrten etwas verkürzt wurden und der Jägerzaun weniger gefährdet war. Und der Hausbesitzer? Der ersetzte den Jägerzaun mit einem kleinen niedrigen Mäuerchen. Bald hörte man wieder glückliches Kindergeschrei und lautes Baaaaaahn freiiiiiiii!

Susanne Noster

 


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