Burgholzhausen/ September 19, 2021

Ein Plädoyer für die Burgholzhäuser Vereine,

insbesondere für die Burgholzhäuser LandFrauen, bei denen es in dieser Woche um den Fortbestand des Vereins geht.

Spenden Sie Zeit! So liest man auf einem Plakat des Deutschen Roten Kreuz. Sie sind auf der Suche nach Unterstützern. Die Deutschen spenden gerne, die kürzliche Flutkatastrophe hat es wieder gezeigt. Ob Geld oder Sachspenden, damit sind wir sofort dabei. Aber dieses Jahrhundertereignis hat auch viele Menschen praktisch spenden lassen, durch Zeit und Arbeitskraft. Eine Werbeaktion des DRK ist dieser Tage in Friedrichsdorf zu Ende gegangen, wo Mitglieder an den Haustüren den persönlichen Kontakt gesucht haben, um ins Gespräch zu kommen und vielleicht die Hürde zum ersten Schritt zu verringern, als Ehrenamtliche(r) in den Verein einzutreten und eine Aufgabe zu übernehmen und mitzuhelfen. Die Friedrichsdorfer Ehrenamtsbörse ist ein Gewinn für die Stadt, aber auch für die Vereine, die durch das jährliche Event die Gelegenheit haben, sich vorzustellen und neue Unterstützer und Unterstützerinnen für Aufgaben im Verein zu gewinnen. Das Ehrenamt gewinnt wieder an Ansehen, auch das Land Hessen unterstützt regelmäßig mit Initiativen. Auch gerade in der Wahlzeit ist das Thema Wertschätzung im Ehrenamt auf der Agenda. Denn das vermissen manche Engagierte immer mal wieder.

Gerade in den letzten 18 Monaten hat man deutlich gemerkt, was in einem Stadtteil alles fehlt, so ganz ohne die Vereine, die das kulturelle und sportliche Leben in unserer Stadt prägen. Kinder und Erwachsene konnten nicht zum Sport, Singen im Chor fiel unendlich lange ganz weg. Vorträge fielen aus, Ausflugsfahrten zu geselligen Treffen oder kulturellen Events waren nicht mehr da. Der Kontakt zu anderen Menschen im Ort hat sich sehr reduziert oder nur auf die kurze Treffen auf dem Netto-Parkplatz oder auf dem Wochenmarkt oder bei einem Spaziergang beschränkt. Das gesellige Miteinander nach der Pilates-Stunde oder ein Plaudern beim Heringsessen, nichts war mehr wie vorher. Die Feuerwehrjugend konnte nicht ran, Flötenunterricht bei Frau Hannappel, Üben im Posaunenchor und von den Festen wie der Kerb, dem Maifeiertag, einem Tag der Offenen Tür bei der Feuerwehr, dem Vatertag bei den Sängern oder Schützen oder der Burgholzhäuser Weihnacht ganz zu schweigen.

Und doch sind da viele Männer und Frauen in den Vorständen der Burgholzhäuser Vereine in den letzten 18 Monaten aktiv gewesen, haben sich immer und immer wieder informiert über die Entwicklung im Pandemie-Geschehen, und sich Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann, wie sie Mitglieder bei der Stange halten und das Vereinsangebot weiterhin anbieten können. Ob mit Tombola wie beim TV Burgholzhausen oder einem persönlichen Blumengruß bei den Landfrauen, die Vielfalt war groß. Virtuelle Treffen wurden organisiert, bei den Chören nur bedingt eine Lösung, bei der jungen technisch-affinen Generation eher noch mit gewissen Resultaten als bei der älteren Generation. Es war kein Stillstand, aber ein zähes Ringen, je nach Verein mit mehr oder weniger Möglichkeiten zur Umsetzung des gekannten Vereinslebens. Das Alte Rathaus hat kleine Räumlichkeiten, charmant bei Veranstaltungen wie den kleinen Konzerten oder dem monatlichen Café, aber zu Pandemiezeiten einfach zu eng. Auch im Vereinshaus Alte Schule dürfen immer noch maximal 25 Personen zu einem Treffen kommen. Bei Vereinen, die in der Regel zwischen 30 – 50 Personen bei Vorträgen oder anderen Treffen kennen, heißt dies Warten auf bessere Zeiten.

Das DRK sucht Mitglieder, der TV Burgholzhausen hat auch mehrere Jahre gebraucht, um einen neuen 2. Vorsitzenden zu finden und andere Vorstandsämter neu zu bekleiden. Das DRK ist ein Verein mit starken sozialen Aspekten, der persönliche Einsatz ist für “was Gutes”. Beim TV Burgholzhausen, der als Sportverein weit über 800 Mitglieder hat, sollte man denken, dass es kein Problem sein sollte, Engagierte zu finden. Aber auch da gestaltet sich die Suche schwierig. (Nein, das Gendern lassen wir hier mal, alle wissen, dass hier die Rede von Frauen, Männern und vielen Kindern ist.) Viele Menschen sind gerne dabei, nutzen gerne die Vorteile der Vereinsangebote und lieben die Geselligkeit der Vereine, aber sie sind immer weniger bereit, sich selber fest einzubringen und mitzugestalten. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Freizeitmöglichkeiten im Rhein-Main-Gebiet: Berufliches Engagement, familiäre Verpflichtungen oder einfach die Hemmung, sich auf eine gewisse Zeit zu binden oder auch Verantwortung zu übernehmen. Wie ist es, wenn nach einem Freiwilligen gesucht wird? Viele Blicke gehen nach unten. Das ist im Büro so und viele Vorstände kennen das auch aus eigenen Reihen. Irgendwie ist da eine Angst vor Verpflichtungen.

Dabei ist Ehrenamt auch sehr gewinnbringend. Man lernt neue Menschen kennen, hat eine feste Aufgabe in einem Bereich, den man mag (vielleicht auch mit Blick auf das zukünftige Rentner- Sein?). Vereinsarbeit bietet viel Potential für Kreativität und schnelle Umsetzung von Projekten. Manchmal kann man auch einfach immer wieder mal mit anpacken und nützlich sein, sei es beim Stühle stellen bei einer Veranstaltung oder beim Verteilen eines Flyers. Im Hochtaunuskreis gibt es seit einiger Zeit auch die “Ehrenamtskarte” mit der einige Vergünstigungen einhergehen. Sie kann für die Bürger und Bürgerinnen beantragt werden, die mindestens fünf Stunden in der Woche unentgeltlich seit mindestens fünf Jahren eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Mit der Ehrenamtscard kann man hessenweit kostenfrei oder vergünstigt zahlreiche Theater, Museen, Schwimmbäder und weitere sportliche und kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen besuchen. Neben den Kreisen, Städten und Gemeinden beteiligen sich viele private Betriebe und Veranstalter mit Vergünstigungen an der Ehrenamtscard.

Die Vereine brauchen Menschen, die bereit sind sich einzubringen und auch Verantwortung auf Zeit zu übernehmen. Vereinsarbeit ist aber auch geteilte Verantwortung, kein Vorstand hält alleine für den ganzen Verein den Kopf hin. Dafür gibt es ja die Vorstandsgremien, die mit unterschiedlichen Rollen besetzt sind. Ohne ein funktionierendes Team geht es in keinem Verein, jeder neue Vorstand muss sich neu in die Aufgaben hineinfinden und findet im Miteinander die Stärken der Einzelnen heraus und lernt sie einzusetzen. Wichtig ist die Begeisterung für den Verein und die Bereitschaft zum Miteinander auf Zeit.

Maibaum Burgholzhausen, Burgholzhäuser Stadtteilseite

Unten links pendelt das Vereinswappen der Burgholzhäuser Landfrauen am Vereinsbaum.

Burgholzhäuser LandFrauen auf der Kippe

Bei einem langjährigen Burgholzhäuser Verein sieht es derzeit nicht nach einem “Weiter so” aus. Die Burgholzhäuser LandFrauen suchen bereits nach mehreren Jahren Verstärkung im Vorstand und nach einer Ausrichtung für jüngere Frauen. “Aus Tradition modern” – seit über 60 Jahren sind sie aus der Dorfgemeinschaft in Burgholzhausen nicht wegzudenken. Viele mögen an die legendären Kuchentheken beim Burgholzhäuser Dorfspaß denken, doch Landfrauen sein ist weit mehr: Der Landfrauenverband vertritt die Interessen von rund 500.000 Frauen. Es geht um eine starke Gemeinschaft, lebenslanges Lernen und Bildung, gerechtere Chancen für die Frauen und vieles mehr. Im Ortsverein wird das durch das Angebot von interessanten Vorträgen zur Ernährung, Gesundheit aber auch anderen abwechslungsreichen Themen gelebt. Da kommt auch schon mal eine Frau Dr. Petra Bracht vorbei. Kulturelle Fahrten zu Ausstellungen und Führungen runden das Programm ab, ob es dabei mal nach Bad Nauheim zu einer historischen Führung geht oder bei der Kelterei Heil hinter die Kulissen geschaut oder mit Bäppi LaBelle das neue Viertel rund um den Römer in Frankfurt ausgekundschaftet wird. Ja, Spaß und Geselligkeit gehören im Ortsverein mit zu der lebendigen Gemeinschaft. Da wird gegrillt, Erdbeeren, Kürbisse oder Handkäs gegessen. Mundartabende mit Jürgen Leber, dem Asterix sei Hessisch-Lehrer, oder mehr traditionell, mit Hermann Groß, einem historisch versierten Hessisch-Babbler. Grüße an die älteren Landfrauen, die nicht mehr zu den Treffen kommen können, oder regelmäßige Spenden zeigen soziale Aspekte der Vereinsarbeit. Ein Kreativkreis erlaubt immer wieder, selbst gestaltete Geschenkideen neu zu entdecken. Was wäre der Burgholzhäuser Osterschmuck ohne die Oster-Girlanden der Landfrauen oder der Weihnachtsbaum ohne die schmückenden Hände? Die Turngruppe hat sich jetzt aufgelöst, nachdem die langjährige Trainerin aus Altersgründen aufgehört hat. Aber da ist auch noch ein Chor: Die Choryfeen haben vor Corona vielen Frauen die Möglichkeit zum Singen im Chor gegeben und viele bei Auftritten erfreut, auch wenn sie nicht zur Klasse der LaCappella-Familie gehören. Auch Normalos wollen und können singen und haben ihren Spaß dabei!

Vor zwei Wochen ist bei der Jahreshauptversammlung der Landfrauen kein neuer Vorstand zustande gekommen. Am Mittwoch ist erneut Mitgliederversammlung in der Alten Schule. Hier geht es um alles oder nichts. Wilma Jochem ist seit 2014 engagierte Vorsitzende und will das Amt nun endgültig aus Altersgründen abgeben, seit über 18 Jahren ist sie im Vorstand aktiv. Eine neue Vorsitzende und auch eine neue Zweite waren bei der JHV nicht in Sicht. Drei Beisitzer waren bereit weiter mitzuarbeiten. Ohne Vorsitzende oder einen funktionierenden Teamvorstand geht Vereinsarbeit aber nicht. Jedes Schiff braucht nicht nur Ruderer, sondern auch Steuermänner. Landfrauen 2.0 sind längst in ganz Deutschland im Kommen. Vielleicht gelingt es ja auch in Burgholzhausen das Ruder doch noch herumzureißen und den Verein zukunftsfähig zu machen. Ansonsten bleibt eine Lücke in der Dorfgemeinschaft und am Vereinsbaum am Freien Platz. (SN)

zur Internetseite der Burgholzhäuser Landfrauen

Ehrenamt

 

aktualisiert 20.9.21 um 19.00 h

 

image_pdfPDF Download