burgholzhausen/ September 15, 2020

„Ich möchte Gemeinde lebendig halten und da sein, wo man mich braucht.“

Zwei Dinge hat er gemeinsam mit seinem Vorgänger Pfarrer Rudolf Göttle, der inzwischen in seinem neuen Wirkungskreis in Mainz-Lerchenberg angekommen ist: Für den Schwaben Göttle war hessisch keine Muttersprache, ebenso wenig ist sie es für „den Neuen“. Für Göttle, der acht Jahre hier aktiv war, war die Pfarrgruppe Ober-Erlenbach/ Burgholzhausen/ Ober-Eschbach die erste Pfarrstelle nach dem Vikariat. Auch Pater George Arul Jeganathan tritt hier seine erste Pfarrerstelle an. Lachend tritt „der Neue“ zusammen mit der Gemeindereferentin Katja Vogel-Brück und Diakon i.R. Diethard Fries vor die Kirche, um dem Wunsch nach einem Foto nachzukommen. Der 42-jährige Pater lacht verschmitzt, verschränkt die Arme und posiert für das Bild, witzelt dabei mit den beiden anderen aus dem Pastoralteam. Eine Woche zuvor war Pater George erst offiziell in sein neues Amt eingeführt worden. An diesem Morgen dauerte die Dienstbesprechung in Hl. Kreuz länger, denn es muss derzeit besonders viel umgedacht, neu organisiert und längerfristig vorgeplant werden: von ökumenischen Erntedank bis zum Weihnachtsgottesdienst. Dennoch nimmt er sich Zeit für ein Gespräch zu seiner Person, obwohl er merklich gar nicht so gerne im Mittelpunkt stehen möchte.

In bestem Deutsch erzählt er, dass er Mitte Juli in Ober-Erlenbach eingezogen ist. Einigen Menschen in der Pfarrei ist er bereits begegnet, obwohl es wegen Corona doch etwas schwerer und langwieriger ist als sonst nach einem Umzug. Weitere Gesichter kamen bei der offiziellen Einführung hinzu. Es ist wohl eher so, dass die Menschen ihn schon kennen oder erkannt haben, er sich aber auf viele weitere neue Begegnungen freut. Einige Pfarrgruppen hat er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sehen oder sprechen können.

Burgholzhausen katholische Kirche Pater George Diakon Fries

Das neue Pastoralteam in Burgholzhausen: Pastoralreferentin Katja Vogel-Brück, Pater George und Diakon i.R. Diethard Fries

Er fühlt sich gut vorbereitet auf die neue Stelle. Als Vikar hatte er zuvor ein Jahr in Ingelheim und danach drei Jahre in Fürth-Lindenfels gewirkt und dort alle Bereiche der Seelsorge abgedeckt. Besonders gefiel ihm dort die Kommunionbetreuung. „Die Kindersprache ist leicht“. Parallel dazu hat er sich in einem Pastoralkurs für Verwaltung weitergebildet. Denn als Pfarrer kommt jetzt die ganze Verwaltungsarbeit der drei Gemeinden zu seinen Aufgaben hinzu. Das ist in der Praxis Neuland für ihn. „Aller Anfang ist schwer. So ist es!“ Bisher war jeder Neuanfang schwierig, aber ihn scheint es nicht zu schocken. „Es dauert, bis man sich etwas eingelebt hat.“ Schließlich können und müssen manche Aufgaben auch verteilt werden, z.B. an die Gemeindereferentin, die er an der Seite hat und die sich um Kommunion und pastorale Dienste kümmert. So konzentriert sich Pater George erst einmal darauf, die Leute richtig kennenzulernen: “Wie denken sie? Wie reagieren sie?”

Von Indien nach Deutschland

Der 42-Jährige kommt aus einer christlichen Lehrerfamilie aus einem kleinen Dorf in Südindien, wo er zusammen mit seinen zwei Brüdern aufgewachsen ist. Das Christentum ist mit 2,3% eine absolute Minderheiten-Religion. Zuhause sprachen sie tamilisch wie knapp 20% der indischen Bevölkerung. Die Eltern förderten ihn, wollten die christliche Erziehung und eine solide Ausbildung ihres Sohnes sicherstellen, doch die christliche Dorfschule ging nur bis zu 8. Klasse. So kam er 1989 bereits mit 13 Jahren als Schulstudent zu den Schönstatt-Patres. Damals hieß es das „kleine Priesterseminar“, eine Art Internat, wo für Ausbildung unter christlichen Gedanken gesorgt wurde. Heutzutage werden dort keine Kinder mehr angenommen. Pater George erzählt, dass er gerne da war. Er war begeistert von den Priestern, die vieles für das Dorf gemacht hätten. Sie waren „gelehrte und beseelte Menschen“, die ihn beeindruckten. So zog es ihn nach Abitur und Studium zum Noviziat bei den Schönstatt-Patres. Natürlich hätte er sich auch bis nach dem Ende des Noviziats für einen anderen Weg entscheiden können, aber das Priestersein ist einfach sein Ding, erzählt Pater George freimütig.

Nach einem Englisch-Sprachstudium ging er zur Uni in die Millionenstadt Madurei, um Philosophie zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er als Lehrer mit Jugendlichen und leitete ein Internat. 2000 wurde er dann in Bangalore Novize bei den Schönstätter Patres, einer der jüngeren Glaubenskongregationen mit Ursprung in Schönstatt bei Vallendar, nahe der zwei-Flüsse-Stadt Koblenz. Zum Priester wurde er nach dem Theologiestudium am 27. Oktober 2007 in Indien geweiht.

Ein Kulturschock beim ersten Deutschlandaufenthalt

Zum ersten Mal kam er 2006 von Indien nach Schönstatt zu einem pädagogischen Praktikum. Das war sein erster Besuch in Deutschland und er gibt lachend zu, es war „ein Schock, ein Kulturschock!“ Pater George erlebte viel Positives auf dem neuen Kontinent. Beindruckt hat ihn die Ordnung, die in Deutschland herrscht, die guten Straßen und Infrastruktur. Er kannte das kleine ländlichen Dorf und die riesige Stadt Madurei, zwischen beiden liegen Welten. Hier in Deutschland, findet Pater George, gibt es eigentlich nicht so große Unterschiede zwischen Stadt und Land verglichen mit seiner indischen Heimat. Beeindruckt war er vom Reichtum des neuen Landes und der Schönheit. An viele Freiheiten in der Kultur musste er sich jedoch erst gewöhnen. Das hat auch etwas gedauert, gibt er zu. Besonders vermisst hat er die Rolle der Familie, wie er sie aus Indien kannte. Patchwork-Familien, die hier inzwischen an der Tagesordnung sind, waren ihm bis dato völlig fremd. „Mir tat mein Herz weh, wenn ein Kind sagte „Meine Mama ist nicht meine Mama“.

Sein Herz schlägt für Musik & Maria

Inzwischen hat er sich längst eingelebt in Deutschland und ist gerne hier. Er ist musikalisch, spielt mehrere Instrumente wie Gitarre oder Klavier und singt gerne das Halleluja in der Kirche. Als Schönstatt-Pater gehört er weltweit zu rund 300 Glaubensbrüdern, die Glauben und Kirche aktiv und verantwortlich leben und auch apostolisch tätig sind. Der Name kommt von dem internationalen Marienwallfahrtsort am Rhein. Maria, als erste Christin, gibt Orientierung in der Glaubenskongregation. Als Pater George 2006 zum ersten Mal vor der kleinen Kapelle in Schönstatt stand, ist „ein großer Traum in Erfüllung gegangen.“ Er erzählt begeistert von seiner ersten Zeit, wo er dort Jugendliche aus der ganzen Welt traf und sie oft einfach nur gemeinsam gesungen haben. Damals waren seine Deutschkenntnisse noch rudimentär. Aber „die Liebe zur Gottesmutter hat mich getragen und berührt und beeindruckt,“ genauso wie die Internationalität und die Gemeinschaft, die er erlebte.

Wichtig in seinem neuen Wirkungskreis ist…

Pater George weiß, was er will und was jetzt in seinem neuen Wirkungskreis vordringlich wichtig ist: „Ich möchte jetzt erst einmal ganz konkret das Leben hier kennenlernen.“ Er freut sich, dass er ein gesundes Gemeindeleben im Pfarrverband und in Burgholzhausen vorgefunden hat. Wenn es Corona irgendwann zu lässt, möchte er die Gemeinde auch gerne zu einer Fahrt nach Schönstatt einladen. „Ich möchte eine Bereicherung für die Gemeinde sein, Christusträger für die Menschen, durch Christus den Weg zur Gottesmutter zeigen, den Rest macht Gott schon.“

„Ich möchte Gemeinde lebendig halten und da sein, wo man mich braucht.“

Burgholzhausen Hl Kreuz

sn