burgholzhausen/ Mai 26, 2020

Corona-Krise trifft auch die lokale Gastronomie in Burgholzhausen hart

Im März 2020: Erst kam es in der Presse, dann war die Nachricht vom Ordnungsamt Friedrichsdorf im Briefkasten des Bistro Merlin: Ab 21. März 2020 mussten alle Gaststätten, Restaurants, Kneipen und andere Schankbetriebe in Hessen zur Eindämmung von Covid 19 sehr kurzfristig geschlossen bleiben. Nur Außer-Haus-Verkauf blieb erlaubt. Für Danuta Rothhaupt, der Inhaberin des kleinen Bistros in der Königsteiner Straße, eine gutgemeinte Option, aber keine realistische Möglichkeit weiterhin den Lebensunterhalt zu verdienen. Coffee-to-go geht, aber Bier-to-go oder Cocktail-to-go geht gar nicht. Ihre Gäste kommen ins Merlin, um sich mit anderen zu treffen und zu unterhalten, gute Musik zu hören, zu Darten oder gemeinsam Fußballspiele zu schauen. Auch ihr zweites Standbein, das Spielautomatengeschäft fiel von einem auf den anderen Tag weg. Die meisten Geräte stehen in Jugendherbergen, die seitdem (immer noch) geschlossen sind. 100%iger Umsatzeinbruch, da muss eine Wirtin und Mutter schon gut überlegen, wie es weitergehen kann. Natürlich hat Dany Rothhaupt auch die Soforthilfe für Unternehmer beantragt wie viele andere Burgholzhäuser Firmeninhaber in der gleichen Situation. Bei ihr hat es rund fünf Wochen gedauert, bis es zu einer Auszahlung des Überbrückungsgeldes kam. „Am schlimmsten war das Ungewisse. Wir wussten ja nicht, wie lange es dauern kann.“

So versucht sie pragmatisch einen Job u.a. auch als Erntehelferin zu bekommen, allerdings ohne Erfolg. Wie viele andere Menschen auch, die zuhause ohne Arbeit festsitzen, geht auch ihr Gang zum Baumarkt und die Zeit wird für anstehende Renovierungen genutzt. Die Zwangspause ist eine gute Gelegenheit, das WC in der Kneipe zusammen mit ihrem handwerklich geschickten Bruder zu renovieren. So wird aus der Not eine Tugend und „das Merlin“ fit für die Zeit nach Corona gemacht. „Sonst mussten solche Reparaturen immer im laufenden Betrieb gemacht werden, das Material hatte kaum Zeit zum Trocknen und die Fliesen hielten nicht lange.“ Für den Einbau einer neuen Klimaanlage reichte die Zeit dann aber nicht mehr.

Bistro Merlin Burgholzhausen

Inhaberin des Bistro Merlin Dany Rothhaupt freut sich über die Lockerungen und auf ihre Gäste.

Die gute Nachricht kam nach acht Wochen. Lockerungen gelten seit 15. Mai 2020, aber die Gastronomie muss strenge Auflagen erfüllen: Nur eine Person pro 5 qm, Mindestabstand von 1,5 m, Führen von Gästelisten, Desinfektion und andere Hygienemaßnahmen. Für Restaurants war vieles in der von der hessischen Landesregierung herausgegebenen Verordnung klar, für das Bistro nicht ganz. Dany Rothhaupt musste erst die grundsätzliche Frage klären, ob das Bistro als „mit Gaststätten vergleichbar“ gilt. Sie suchte den Kontakt zum Ordnungsamt und bekam erst einmal keine klare Auskunft, ob sie als Kneipe öffnen darf und wenn ja, was sie zu beachten hat. Dem Ansprechpartner lagen noch keine Details vor. Einige Tage später versuchte sie es erneut, und erhielt diesmal gleich die Bestätigung zum Öffnen des Schankbetriebs zusammen mit rudimentären Infos zu der neuen Verordnung. Sie hätte sich gewünscht, dass wie bei der Schließung im März klare schriftliche Informationen zur praktischen Umsetzung der Verordnung als Hilfe von der Stadt Friedrichsdorf gekommen wären, überlegt Dany Rothhaupt im Nachhinein. So hieß es, alles selbst eruieren und doppelt absichern. Aber nach der Durststrecke und Ungewissheit freut sie sich, dass sie wieder arbeiten darf und vor allem wieder auf ihre Gäste.

Spontane Besuche im Bistro Merlin sind seit Mitte Mai wieder möglich.

Manches ist etwas anders als gewohnt. „Die ersten zwei Tage waren wirklich gut, danach ebbte es etwas ab“, erzählt Dany, die das Bistro inzwischen seit 21 Jahren führt. Am Eingang hängt ein Desinfektionsmittelspender an der Wand. Laminierte Schilder weisen die Gäste auf den Mindestabstand hin. Die Gästeliste liegt gut sichtbar aus. Tischdekos sind verschwunden. Zwei Schutzvisiere hat sie sich neben dem Mund-Nasen-Schutz zum Wechseln besorgt. Die Musik spielt wie gewohnt.

Dart spielen für einzelne Gäste ist wieder möglich. Viele Gäste bringen ohnehin ihre eigenen Darts mit, die anderen Pfeile muss sie jetzt regelmäßig desinfizieren. Der Spielbetrieb in der Dartliga allerdings ruht derzeit vöBistro Merlin Burgholzhausenllig. Mit zwei Mannschaften während eines Spiels wäre das Bistro ohnehin auch an die Grenzen der derzeit erlaubten Gästezahl gestoßen. Zwei Teams mit sechs Spielern: das wären 12 Personen. Die Einhaltung von Mindestabständen allein bei diesem Spiel wäre schlichtweg unmöglich – nicht nur im Merlin, sondern in der ganzen Dartliga, die vielerorts in kleinen Kneipen gespielt wird.

12 ist die magische Zahl: 12 Personen dürfen vorerst bis zum 5. Juni 2020 gleichzeitig ins Merlin. So bedeuten die ersten Corona-Lockerungen weiterhin auch finanzielle Einschränkungen für die Gastwirtin, genauso wie es auch die beiden Pizzerien in Burgholzhausen Pizzeria Amico und Pizzeria Da Santo erfahren.

Diese Beschränkung der erlaubten Personenzahl erscheint aktuell als die größte Herausforderung. „Manche trauen sich gar nicht erst hin, weil sie denken, es sei zu voll und sie bekommen keinen Platz.“ Dany Rothhaupt würde sich freuen, wenn ihre Gäste es einfach mal spontan ausprobieren, und sie bei der Einhaltung der vorübergehenden Beschränkungsregeln unterstützen. Ist ja nicht für immer. Man sieht sich! Witamy z powrotem, Dany.

Bistro Merlin Burgholzhausen

 

Aktueller Nachtrag: 5-Quadratmeter-Regelung entfällt

Das hessische Kabinett hat für die Gastronomie heute weitere Anpassungen der Vorordnung zur Corona-Bekämpfung verabschiedet. Am Donnerstag, 28. Mai 2020, soll voraussichtlich eine geänderte Verordnung in Kraft treten, bei der auf die Fünf-Quadratmeter-Regelung verzichtet werden soll und stattdessen mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 Meter gearbeitet werden muss. Für viele Gaststätten bedeutet dies, dass sie wieder mehr Gäste begrüßen dürfen – unter Einhaltung der bekannten Hygieneregeln! Das bedeutet noch nicht zurück zu normalen Auslastungen und auch noch keine Rückkehr zur Normalität. Die hessische Landesregierung appelliert “an die Restaurant- und Cafébesucherinnen und -besucher, die Abstandsregeln einzuhalten und sich weiterhin umsichtig zu verhalten.“  Alle Verordnungen sind zudem bis zum 5. Juli verlängert worden.