burgholzhausen/ Mai 18, 2020

Lauf, Jonathan!

Eine wunderbare Initiative eines Neunjährigen mit beeindruckender Wirkung

Kinder dürfen derzeit wochenlang die Schule nicht besuchen. Corona hat die Welt im Griff. Auch an dem neunjährigen Jonathan aus Burgholzhausen geht diese Zeit nicht spurlos vorbei. Er verbringt die Zeit zuhause mit der Familie, ist sportlich mit Fahrradfahren, Laufen und auf dem neuen Trampolin im Garten unterwegs. Gedanken macht er sich um die Dinge, die um ihn herum passieren und versteht genau, wie wichtig Hygiene und Mund-Schutz gerade jetzt sind. Zusammen mit seiner Mutter hat er im Internet Berichte aus Afrika gesehen, wo Tausende Menschen auf engsten Raum zusammenleben müssen ganz ohne sauberes Wasser oder Mundschutz. Viele Kinder sind dort besonders durch das Corona-Virus gefährdet. Sein Freund Leon ist als Kleinkind aus Äthiopien nach Deutschland gekommen. Sie haben sich in Frankfurt kennengelernt, wo Jonathan früher wohnte. Die beiden haben immer noch engen Kontakt und haben in den letzten Wochen fast jeden Sonntag mit ihren Müttern Zoom-Meetings gemacht, damit sie sich trotz Kontaktverbot sehen können. So sieht er die Berichte aus der ursprünglichen Heimat seines Freundes vielleicht mit besonders wachsamen Augen. In den Kindernachrichten logo! sieht er einen Bericht über einen irischen Jungen, der die Marathonstrecke mit dem Fahrrad gefahren ist, um für Schutzmasken zu sammeln. Der Junge war sogar jünger als er und hat die sportliche Herausforderung angenommen. Als seine Familie einige Tage später von einer Fahrradtour heimkam, überraschte Jonathan seine Eltern mit der Idee, selbst einen Spendenmarathon machen zu wollen, um Geld für Kinder in Afrika zu spenden, die besonders vom Corona-Virus gefährdet sind. Jedoch wollte er nicht Fahrradfahren, sondern die Strecke laufen. Interessant wie Kinder schlimme Nachrichten verarbeiten und aus dem Negativen etwas Positives machen.

Die Eltern Julia und Robert zeigten sich offen und unterstützen den kleinen Läufer mit Rat und Tat. Natürlich sind 42,195 km für einen Neunjährigen zu anstrengend und so einigte man sich auf einen Viertelmarathon von 10,5 km. Spendenmarathon BurgholzhausenFlugs setzte er sich hin und schrieb eigenhändig das Plakat. „In der Corona-Zeit Kinder helfen Kinder“ stand deutlich sichtbar als Überschrift und dass er für Kinder in Corona-Not Spenden für Unicef sammeln will. „Unterstützt ihr mich?“ Darunter malte er sich auf einem langen Weg als Läufer. Der Flyer wurde auf buntes Papier kopiert und beim Bäcker, in der Pizzeria, am Kinderhort, am Hydranten, beim Netto und am Spielplatz aufgehängt. Der eigene Briefkasten wurde kurzerhand in „Jonathans Briefkasten“ umfunktioniert, schließlich sollte er zentraler Sammelpunkt für die Unterstützer der Aktion werden. Die Omas, Opas und Freunde erhielten über Whatsapp Nachricht über das Projekt. Papa Robert bekam die Aufgabe, eine geeignete Laufstrecke zu erkunden.

Bemerkenswert, was dann geschah.

Seine Plakate haben eine kleine Welle ausgelöst. Besonders gefreut hat ihn gleich am ersten Tag die anspornende Nachricht von Horst aus Burgholzhausen „Lauf, Jonathan!“ mit dem ersten Spendenbetrag im Briefkasten. Die Familie rätselt heute noch, wer da spontan so großzügig reagiert hat. Jedenfalls war es für Jonathan ein besonderer Ansporn, dass sein Projekt Unterstützer findet. Und es ging weiter. Am nächsten Tag fand er wieder eine Nachricht im Briefkasten. Diesmal kam sie vom Nachbarsjungen Fynn, der auch gerne mitlaufen wollte. Dessen Bruder Lasse fand die Idee auch toll, die Jungs erzählten es weiter und ruckzuck war die halbe Jugend-Fußballmannschaft vom TV Burgholzhausen mit an Bord.

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Die Jungs sind voll motiviert. Gleich geht es los beim Viertelmarathon in Burgholzhausen. Der zweite von links ist Jonathan, links von ihm steht sein Freund Leon, der extra nach Burgholzhausen gekommen ist, um den Viertelmarathon mitzulaufen. (SN)

Der Termin wurde festgezurrt und am Samstag, 16. Mai 2020, trafen sich insgesamt neun Jungs um 9.30 Uhr zum Start in der Haingasse in Burgholzhausen. Inzwischen hatte Mutter Julia mit anderen Eltern die Verpflegung organisiert, damit die jungen Teilnehmer den Lauf ohne Taschen starten konnten. Besonders gefreut hat Jonathan, dass auch sein Freund Leon extra aus Frankfurt gekommen ist, um bei dem Projekt mitzulaufen. Die Vorfreude war den Kindern ins Gesicht geschrieben und gut vorbereitet waren sie zudem. Mitläufer Jonan hatte zusammen mit seiner Mutter schon einmal 9 km geschafft. Henri hat auf dem Laufband trainiert. Papa Robert gab als Scout und Begleiter die letzte Einweisung und dann joggten die jungen Sportler die Haingasse hoch rund zwei Kilometer bis zum Spießwald. Dort gab es einen ersten Halt mit einer Getränkestation. „Die Jungs waren so schnell, wir waren fast nicht rechtzeitig mit der Getränkekiste am Treffpunkt“, lacht Mutter Julia.

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Von links nach rechts: Lasse, Henri, Fynn S., Fynn C., Linus, Leon, Leo, Jonathan, Jonan -Verschnaufen am gesperrten Bahnhof Köppern (Foto R. Niklas.)

Die Strecke führte weiter nach Köppern bis zum Batzenbaum und weiter durch den Wald bis hinauf zu Saalburg. Die jungen Läufer sind nicht die ganze Zeit gejoggt, einige Anstiege sind sie gelaufen. Aber die hatten es trotzdem in sich, denn Scout Robert hatte eine sehr abwechslungsreiche Strecke zur Saalburg ausgesucht, die nicht nur über die Wege, sondern auch mal über Stock und Stein und umgefallene Bäume führte. Keiner machte schlapp, alle hielten durch.

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Steil geht’s hinauf zum Batzenbaum (Foto R. Niklas)

Zwischendurch gab es eine weitere Stärkung mit einem kleinen Snack, die ein anderes Elternpaar vorbereitet hatte. Vater Robert erzählte später, dass Abstand halten während des Laufens keinerlei Problem war, nur bei den Pausen mussten hin und wieder kleine Erinnerungen in die Runde geschickt werden. Beim Zieleinlauf auf der Brücke wurde es etwas eng, aber sie haben sich arrangiert. Kennen Sie die Fußgängerbrücke zur Saalburg? Ein blaues Band zeigte das Ziel an, geschmückt war es mit bunten Karten, die jeweils den Namen der ausdauernden Läufer trug. „Hopp, hopp, hopp!“ Die Eltern und Geschwister waren gekommen, um die jungen Läufer auf den letzten Metern anzuspornen.

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Die Familien und Hund Valentin begrüßen die Läufer vor der Saalburg. Die Namen der Jungs stehen auf den bunten Schildern (Foto S. Christ)

Ein strahlender Jonathan lief – auf Wunsch seiner Mitstreiter – voran ins Ziel und war sichtlich stolz, dass er die 10,5 Kilometer geschafft hatte. Als Belohnung gab es lauten Jubel und leckere frische Erdbeeren, die seine kleine Schwester Mathilda an alle Läufer verteilte. Eine großartige sportliche Leistung der neun Läufer: Jonathan, Fynn C., Fynn S., Henri, Jonan, Lasse, Leo, Leon und Linus!

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Alle haben es geschafft! Allen voran Jonathan auf der Brücke zur Saalburg (Foto: S. Christ)

Beachtlicher Spendenbetrag erzielt

Die anderen acht Jungs haben nicht nur sportlich diese Aktion unterstützt, sondern ihrerseits ebenfalls Spenden gesammelt. So sind Stand gestern 702 Euro zusammengekommen (Wer will kann gerne auch diese Woche noch diese Aktion nachträglich unterstützen, Haingasse 34.). Jonathan hat sich auch sehr genau überlegt, wie er das Geld aufteilen will. Unicef hat mehrere aktuelle Projekte in Corona-Krisengebieten. Die Hälfte der Spenden soll in Projekte in Äthiopien und Somalia einfließen (sehr bestimmter Originalton Jonathan: „ein bisschen mehr als die Hälfte!“) und die andere Hälfte soll in Hygieneprojekte in Flüchtlingslagern gehen, wo es um die Eindämmung des gefährlichen Virus geht. Für das Geld werden neben Mundschutz zum Beispiel Handseife für ganze Dörfer für – nach europäischen Maßstäben – wenig Geld oder Einmalhandschuhe angeschafft.

Aus einer langweiligen, schwierige Zeit kann durch die tatkräftige Umsetzung solcher kreativen Ideen und die Unterstützung von anderen Kindern plötzlich eine gewinnbringende Aktion für viele werden, in Burgholzhausen und in der benachteiligten Welt. Nicht nur aus materieller Sicht, denn am Ende haben mindestens neun sportliche Grundschüler mitsamt ihrer Familien viel Freude bei dieser Aktion gehabt. Eine wunderbare Initiative eines Neunjährigen mit einem sehenswerten Ergebnis. Jonathan, gut gemacht!

Corona-Spendenlauf Burgholzhausen 2020

Jonathan (mit seinem Vater Robert) erzählt von den Corona Unicef-Projekten, für die er das erlaufene Geld spenden will. (SN)