burgholzhausen/ November 23, 2018

Mit einer Stammtischwette und 20 Gänsen fing es an. Ob es 1987 oder 88 war, das weiß er gar nicht mehr so ganz genau: Hans-Dieter Kuchta, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, ist Landwirt mit Leib und Seele, und mit Schalk im Nacken. Eines Tages kam er heim und eröffnete seiner Frau Petra, dass er 20 Gänse anschaffen wird. Gesagt – getan, ein Mann – ein Wort. Aus der Wette wurde ein Hobby und aus dem Hobby ein Zubrot zur Vollerwerbslandwirtschaft.

Die Kuchtas hatten früher eine kleine Hofreite in Alt-Burgholzhausen nahe dem O-Berg. An die Milchkannen auf einem Tisch vor dem Haus können sich die Älteren sicher noch erinnern. 1975 zogen die Familie dann samt Milchvieh in die Peter-Geibel-Straße und bauten einen neuen großen Hof auf. Die Kühe haben sie längst abgegeben, inzwischen leben sie von der Landwirtschaft, der Gänseaufzucht und Weihnachtsbaumverkauf. Zwischenzeitlich führte Petra Kuchta einige Jahre zudem einen Obst- und Gemüseladen. Ihr leckerer selbstgebackener Kuchen war weithin bekannt und beliebt.

Hans-Dienter Kuchta

Immer zu Scherzen aufgelegt: Hans-Dieter Kuchta – diesmal mit Dekogans. Die Lebendigen waren schon zur Nachtruhe im Stall.

„In der Vorweihnachtszeit musste ich sie damals wie Sauerbier anpreisen,“ erzählt Dieter Kuchta mit einem Augenzwinkern von seinem ersten Gänseverkauf. Personalisiertes Marketing nennt man das heute. Die Kunden sind auf den Geschmack gekommen und die Kuchtas auch. Wann sie die erste Gans für die Tombola bei der Burgholzhäuser Weihnacht gespendet haben, wissen sie nicht mehr, aber dass sie es weiterhin machen werden, da sind sie sich einig!

Gänse mit großzügigem Freilauf

200 Gänse ziehen sie jedes Jahr groß. Längst prägen die Tiere das Bild auf der Wiese vor der Grundschule, wo oft Zaungäste stehen. Die Kinder mögen das Geschnatter des Federviehs, das besonders laut wird, wenn ein Bussard oder auch die Kraniche in der Nähe sind.

Kuchtas Gänse Burgholzhausen

Die Streuobstwiese haben die Kuchtas extra für ihre Gänse angelegt, damit sie ausreichend Auslauf haben. Wenn sie im Juni auf den Hof kommen, sind sie etwa vier Wochen alt. Dann haben die beiden bis Weihnachten alle Hände voll zu tun, damit das Federvieh wächst und gedeiht. Die Tiere können tagsüber freilaufen, gefüttert werden sie mit eigenem Weizen, Brot, und Obst. Wenn Dieter Kuchta auf die Weide kommt, kommen sie schon angetrabt. Sie erkennen seine Stimme von Weitem. Er hegt und pflegt sie, und streichelt sie auch gerne einmal und nennt sie liebevoll Schorschi. Auch die kleine fünfjährige Enkelin hilft gerne begeistert mit, wenn die Gänse abends in den schützenden Stall gebracht werden – der Fuchs ist die größte Bedrohung.

Hans-Dieter KuchtaAber manchmal kommt eine “Bedrohung” auch von einer ganz unerwarteten Seite. Dieter Kuchta erzählt seine Version der Geschichte, natürlich in Holzhäuser Hessisch: In einem Sommer waren die jungen Gänse frisch eingetroffen, die Zäune neu gerichtet. Die Gänse bestens versorgt und los zog der Landwirt mit dem Traktor auf’s Feld. Nach einer Weile schaut er auf sein Handy („Auf dem Traktor hört man das ja nicht.“) und bekommt einen Schreck: 12 verpasste Anrufe! Owei, da ist irgendwas los. Zuhause kam seine Frau ihm schon aufgeregt entgegen. „War was?“, fragte er wohl in seiner coolen Art. Und ob was war! Die Gänsekinder waren neugierig und sind ausgebüxt. Sie waren bis zur Pferdekoppel gezogen, erzählt Dieter Kuchta grinsend. „Den Pferden hat es nix ausgemacht, den Gänsen auch nicht.“ Aber seiner Frau, die mitten während der Ladenöffnungszeit das Vergnügen hatte, 200 Gänse wieder einzufangen und zurückzutreiben. Auf ihre Frage, wo und wie sie denn überhaupt ausbüxen konnten, kam nur ein trockenes „aus dem Loch im Zaun, was heute morgen schon da war…“ zurück. Sprach’s ruhig, wie es seine Art ist, und hatte wieder dieses schelmische Zwinkern in den Augen.

Kuchtas Gänse Burgholzhausen

 

Gänsebraten…

Los geht es mit dem Gänseverkauf zu Martini Anfang November, und dann beginnt auch die besonders hektische Zeit auf dem Hof. Die Kuchtas schlachten selber frisch auf Bestellung. Petra Kuchta erzählt, dass sie natürlich auch maschinelle Hilfsmittel im Schlachthaus haben, aber immer einiges an Handarbeit notwendig ist, um dem Kunden eine sauber geputzte Gans für einen Braten anbieten zu können. Vermarkten tun sie die Gänse weiterhin direkt, viele Kunden sind längst Stammkunden. Obwohl dieser Sommer aufgrund andauernder Trockenheit schwieriger war als sonst, und vor allem der Graswuchs sehr zu wünschen übrig ließ und mehr als sonst zugefüttert werden musste, wollen die Kuchtas auch in diesem Jahr die Preise konstant halten. Mit 14 Euro pro Kilo liegen sie im unteren Preissegment für deutsche Gänse. Im Durchschnitt wiegt eine Gans etwa 4,5 – 5 kg. Wer eine Burgholzhäuser Gans für den Weihnachtsbraten möchte, muss sich beeilen. Es liegen schon einige Vorbestellungen vor.

… und Weihnachtsbäume!

An allen Adventssamstagen nach Nikolaus geht zudem der jährliche Weihnachtsbaumverkauf auf dem Hof los. Die Nordmanntannen kommen frisch gefällt aus dem Sauerland. Start ist am 9. Dezember ab 9.00 Uhr, Glühwein und Schmalzebrot gibt es dazu. – Übrigens zum Thema „Friedrichsdorf bringt‘s“:  Die Kuchtas bieten diesen Service schon lange, bis nach Bad Homburg liefern sie die Bäume auch zum Kunden nach Hause.

Erst an Weihnachten kehrt wieder Ruhe auf dem Hof ein – oder vielleicht auch erst kurz danach, gibt es doch traditionell auch bei den Kuchtas in jedem Jahr einen gefüllten Gänsebraten mit Klößen und Feldsalat beim großen Familientreffen. Ruhe – bis im nächsten Juni wieder eine neue Generation Gänse namens Schorschi in Burgholzhausen eintreffen!


Direktvermarkter Hans-Dieter & Petra Kuchta, Peter-Geibel-Straße 14, 61381 Friedrichsdorf-Burgholzhausen, Telefon 06007/1627.

Kuchtas Gänse Burgholzhausen

Petra Kuchtas Rezepttipp für Ihren Gänsebraten

Gans innen und außen würzen (Salz, Pfeffer, oder wer mag Brathähnchengewürzsalz). Für die Füllung nimmt sie Kartoffeln, Äpfel und Gemüsezwiebel. Gut waschen. Kartoffeln und Äpfel, beides mit Schale, kleinschneiden und die Gans gut füllen. So behält sie beim Braten ihre typische Form. Mit Zahnstocher verschließen.

In einem großen Bräter wird die Gans in Gänseschmalz zuerst auf dem Bauch angebraten, dann drehen, bis alle Seiten angebraten sind. Raus nehmen und zur Seite stellen. Kleingeschnittene Zwiebeln, Äpfel, Sellerie, Lauch und Karotten im Sud andünsten und ablöschen. Gans wieder in den Bräter tun. Sie sollte ungefähr zu 3/4 im Sud schwimmen (Wein gehört nicht dazu). Deckel drauf und dann geht es für etwa 2 Stunden bei 200 Grad in den Backofen. Später kann man die Temperatur auf 160 Grad reduzieren und noch weiter brutzeln. Wie lange? “Wie man denkt”, sagt Petra Kuchta. Sie sieht es einfach. Den Deckel später abnehmen. Zum Schluss vermischt sie Salz und Honig in einer Tasse und übergießt den Braten damit. Temperatur muss gedrosselt werden und eine schöne Kruste bildet sich.

Für die Soße wird das Fett abgeschöpft und die geschmorten Zutaten durch ein feines Haarsieb gedrückt und ergibt so eine schöne sämige Soße zu den Knödeln. Guten Appetit.


Die Gänse-Bildergalerie

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