burgholzhausen/ September 20, 2017

Gästeführerin Karin Halfmann

Neue Gästeführerin Karin Halfmann bei ihrer ersten Führung in Burgholzhausen

Die neue Burgholzhäuser Gästeführerin Karin Halfmann, vielen bereits bekannt von ihren Führungen in Friedrichsdorf, hat sich lange und intensiv auf diese Führung in Burgholzhausen vorbereitet. Das Studium der „Friedrichsdorfer Schriften“ gehörte natürlich dazu, genauso wie das Durcharbeiten von Unterlagen von Heike Havenstein vom Kulturamt und Marianne Peilstöcker. Die Letztgenannte ist vielen Burgholzhäusern natürlich sehr bekannt, nicht nur als ehemalige Grundschullehrerin, sondern als langjährige Burgholzhäuser Lokalhistorikerin. Zusammen mit Lehrer Oldendorf und Dr. Kirchhoff gehört sie seit vielen Jahren zum Friedrichsdorfer Geschichtskreis und hat wie sonst keine hier, viel zur Erforschung der Heimatgeschichte über die Eppsteiner und Idsteiner Landherren von Burgholzhausen beigetragen und einige Schriften – auch in Zusammenarbeit mit Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich – veröffentlicht. Der ein oder andere hatte vielleicht auch schon Gelegenheit, sie bei einer Führung oder einem Vortrag im Alten Rathaus oder den Landfrauen zu hören. Dass sich Frau Peilstöcker mit ihren 82 Lenzen natürlich Gedanken um ihre Nachfolge macht, ist sehr verständlich. Und so bohrte sie bei Frau Dittrich und dem Kulturamt solange, bis mit Frau Halfmann eine Freiwillige gefunden wurde, die Lust hat sich um die Weitergabe der Burgholzhäuser Geschichte zu kümmern.

Der Rundgang beginnt

18 Interessierte waren am letzten Sonntagnachmittag dem Aufruf der neuen Burgholzhäuser Gästeführerin zum geschichtlichen Rundgang durch den alten Ortskern von Burgholzhausen gefolgt. Einige leben schon ewig im Ort, andere noch nicht ganz so lange und Ortsfremde waren auch dabei. Eins hatten sie gemeinsam, sie waren neugierig auf die Geschichte unseres kleinen Ortes.

Führung vor dem Alten Rathaus Burgholzhausen

Die ersten Teilnehmer warten gespannt auf den Beginn der Führung

Wo ist man der Burg am nächsten?

So ging es gut vorbereitet bei dem Rundgang vor der Tür der evangelischen Kirche los. Frau Halfmann erzählte spannend, dass es eigentlich keinen Platz im Ort gibt, wo man der Burgholzhäuser Burg so nahe sein kann wie hier. Natürlich wurden die Teilnehmer jetzt hellhörig. Und damit war sie schon voll im munteren Erzählen der Geschichte um die Burg, den Ortsnamen und die Wirren in der Reformationszeit. Es war kein dröger Rundgang, bei dem der Besucher mit Zahlen bombardiert wurde, sondern die Geschichte wurde nett eingepackt in Anekdoten mit dem gleichzeitigen Begehen von den Originalschauplätzen.

So erfuhr man, dass ein Großteil der Steine der “Alten Burg” an der Weinstraße beim Bau der evangelischen Kirche verbaut wurden. Anstelle der Steinkirche stand an dieser Stelle vor vielen Jahrhunderten eine kleine Fachwerkkirche, die katholische Walpurgiskapelle. Sie lag direkt gegenüber der Curtis, einem großen Wirtschaftshof, der das Herz des ursprünglichen kleinen Ortskerns von Holzhausen bildete, und am Alten Rathaus hoch bis zur Einmündung zur Hanauer Straße, dann der heutigen Straße Alt-Burgholzhausen entlang am Brunnen vorbei zurück bis zur heutigen evangelischen Kirche reichte. Von Holzhausen wurde bisher keine Gründungsurkunde gefunden, nur eine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1222. Aber archäologische Funde belegen eine wesentlich frühere Gründung des kleinen Reichlehens. Als solches war Holzhausen ein freies Reichsdorf und eigenständig, hatte eine eigene Gerichtsbarkeit, einen eigenen Bürgermeister und Recht auf Religionswahl und war nur dem Landesherren verpflichtet. Und so kam es, dass die Holzhäuser sich dessen auch bewusst waren und immer wieder, besonders in der Reformationszeit renitent ihren Willen äußerten, die immer wieder zu massiven Zwistigkeiten zwischen den Lutherischen Protestanten und den Katholiken führten. Besonders der Bau der katholischen Kirche, die derzeit so liebevoll saniert wird, wurde zweimal regelrecht sabotiert. Frau Halfmann benutzte das Wort „renitent“ doch sehr häufig mit einem Augenzwinkern, meinte damit wohl gleichsam eigensinnig und widerspenstig als auch „das heftige Widersetzen gegen den Willen einer Autorität“ in früheren Zeiten, besonders in den Reformationswirren. (Heute ist das natürlich nicht mehr der Fall, oder?)

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Karin Halfmann vor den Mauern der evangelischen Kirche

 

Man erfuhr, dass ein calvinistischer Pfarrer seinen Job „hingeschmissen“ hat, weil er seine Familie mangels Mitglieder in der Gemeinde nicht mehr versorgen konnte, oder warum die jungen Burschen in der Kirche auf der Empore über den jungen Damen sitzen mussten. Heftige Diskussionen mit den Teilnehmern kamen bei der Innenbesichtigung der evangelischen Kirche in Gange, als es um den Zeitraum ging, als die ehemals weißgetünchte evangelisch-lutherische Kirche saniert und die bunten Gemälde an den Emporen freigelegt wurden und die “gesponserten” Sumpfeichen-Säulen ihre marmorierte Struktur wieder bekamen. Man einigte sich auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Daran konnte man sehen, wie aufmerksam und interessiert die Teilnehmer doch dabei waren.

Wirtschaftliche Blüte durch alte Handelsstraße nach Mainz

Ja, es ist schon eine Herausforderung über einen kleinen Ort zu erzählen, der im 9. Jahrhundert an der Handelsstraße zwischen Friedberg und Mainz lag, wo Händler und Reisende im Ort in den reichlich vorhandenen Gasthäusern ihr Gefolge unterbrachten und Geschäftepartner trafen. Das kleine Holzhausen war die letzte Station vor Mainz! Wussten Sie, dass die Wirte früher auch als Banker fungierten und, natürlich gegen einen Obolus, Geld der Reisenden in Gewahrsam nahmen? Einige Zuhörer staunten durchaus auch, als sie vernahmen, dass die Weinstraße ihren Namen tatsächlich von Weinbergen hatte, die außerhalb des Ortskerns standen. Die Frage, wie den katholischen Geistlichen damals der Messwein wohl schmeckte, beschäftigte noch einige Meter lang die Führungsteilnehmer. Wohlwollend wurde der Hinweis auf das eigene Braurecht in „der Krone“, einer alten Gaststätte schräg gegenüber vom alten Rathaus, aufgenommen. Noch heute zieren dort als Hinweis darauf zwei Fässer die Fassade.

So ging es zuerst zum alten Obertor am O-Berg, dann die Haingasse entlang bis zum Standort des alten Untertores und schließlich bis zur katholischen Kirche (die leider nicht von innen besichtigt werden konnte).

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vor der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche

 

Am Straßenkreuz auf dem katholischen Friedhof erfuhr man über die Bedeutung der Mainzer Straße, die im Gegensatz zur Hanauer Straße, wirklich auch historisch so genannt wurde durch den Handelsweg nach Mainz. Der Idsteiner Herrscher hat durchaus auch den kleinen Ort Holzhausen wirtschaftlich gestärkt und einen riesigen Musterobstgarten mit über 1200 Obstbäumen anlegen lassen und so der Bevölkerung Arbeit und Auskommen ermöglicht. Der „Herrengarten“ hinter dem Amtshaus des Grafen von Ingelheim (in der Ober-Erlenbacher Straße am Abzweig in den alten Ortskern) ist so entstanden und hatte mit seiner drei Hektar großen Fläche natürlich ein wesentlich größeres Ausmaß als die kleine Herrengarten-Straße heute vermuten lässt. Erstaunlich, dass damals schon aus dem ganzen Rheinmain-Gebiet, Menschen nach Holzhausen gekommen sind, um von deren Wissen und Erfahrungen als Obstbauern zu profitieren!

Weiter ging es an der „Kur“ vorbei, der dunklen, obskuren kleine Gasse, an deren Ecke bis Mitte der 60er Jahre das alte Torwächterhäuschen stand und ehemals Zoll eingenommen wurde, zum evangelischen Pfarrhaus und weiter zum alten lutherischen Schulhaus in der Hintergasse. Nebenbei erfuhr man vom geplanten Verkauf des heutigen evangelischen Pfarrhauses.

Lutherisches Schulhaus Burgholzhausen

Vor dem Lutherischen Schulhaus Burgholzhausen. Hier fand nach dem 2. Weltkrieg Unterricht für die Oberklassen der Volksschule statt.

Weitere Zwischenstopps gab es an besonderen Fachwerkhäusern, wo die Führungsteilnehmer ihr Wissen über Sichtfachwerke und, ganz anschaulich in der Haingasse am derzeit entkernten Bauernhof, viel über die Bauweise von Fachwerk an sich erweitern konnten.

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Das kleine Tor zur evangelischen Kirche mit Blick auf das Alte Rathaus

Wo liegt die Erbsengasse?

Wenn Sie denken, dass hier jetzt das ganze Wissen von Frau Halfmann wiedergegeben wird, dann täuschen Sie sich. Nehmen Sie einfach die Gelegenheit beim Schopf, wenn es wieder eine historische Führung durch Burgholzhausen gibt. Geschichte kann so spannend sein, vor allem im eigenen Wohnort. Und anders als bei Führungen in einer fremden Stadt, können sowohl Ortskundige als auch Führerin voneinander profitieren und genießen die kleinen Geschichten am Rande, die der eine noch weiß, aber der andere noch nicht. Die kleinen Zwischengespräche waren doch sehr erfrischend und aufschlussreich.

An einem Thema muss aber noch gearbeitet werden. Natürlich wussten die „alten Holzhäuser“, dass die „Hanauer Straße“ im Ortskern bis in die 1970er Jahre „Erbsengasse“ hieß. Aber wie die kleine Gasse zu dem alten Namen kam und was er bedeutete, dass muss Frau Halfmann noch mal hinterfragen. Klar, Frau Peilstöcker hat es schon mal erklärt. Wenn da nicht die Sache mit den Löchern im Gedächtnis wäre. Aber wir sind sicher, bei der nächsten Führung gibt es auch für diese und viele andere Fragen eine spannende Antwort von der neuen Burgholzhäuser Gästeführerin Karin Halfmann.

Nachlese

Wie schrieb eine Burgholzhäuser Teilnehmerin im Nachhinein in einem Social Media Post: „Ich habe teilgenommen und es war richtig gut. Ich wohne seit 1960 im Ort, wir haben durch Schule und Pfarrer damals sehr viel gelernt, aber trotzdem habe ich noch neue Informationen erhalten. Frau Halfmann hat uns sehr kurzweilig durch den alten Ortskern geleitet. Von dieser Stelle aus nochmals meinen allerherzlichsten Dank. Jederzeit gerne wieder!!!“

Sie wollen mehr erfahren über die Geschichte der Stadt Friedrichsdorf? Die „Friedrichsdorfer Schriften“ sind erhältlich im Rathaus Friedrichsdorf und im Heimatmuseum Seulberg. Online-Informationen zum Inhalt hier.

Termine für Führungen werden im Terminkalender der Stadt Friedrichsdorf bekanntgegeben – und natürlich auch hier auf der Burgholzhäuser Webseite.